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Soft SkillsFortgeschritten10 min

Feedback geben und empfangen

Wie aus „du machst das falsch" ein hilfreiches Gespräch wird. Konkrete Formulierungen, klare Strukturen — und wie du selbst Feedback ohne Verteidigungsreflex annimmst.

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2026

Gutes Feedback ist das Schmiermittel jeder Zusammenarbeit. Schlechtes Feedback ist Sand im Getriebe. Der Unterschied liegt selten am Inhalt — fast immer an der Form.

Lernziele

  • Du kennst zwei klare Strukturen für Feedback-Gespräche
  • Du kannst Beobachtung von Bewertung trennen
  • Du nimmst Feedback an, ohne dich zu verteidigen

Feedback geben — die SBI-Methode

Situation – Behavior – Impact. Eine simple, aber wirkungsvolle Struktur.

Schritt Frage Beispiel
Situation Wann und wo? „Im Meeting heute Morgen …"
Verhalten Was war konkret beobachtbar? „… hast du Marias Vorschlag unterbrochen."
Wirkung Welche Folge hatte das? „Dadurch hatte ich den Eindruck, dass ihre Idee nicht angekommen ist."

Wichtig: Beim Verhalten nur beschreiben, was eine Kamera aufgenommen hätte. Keine Interpretation, keine Charaktereigenschaft.

Vergleich: schlecht vs. SBI

Schlechtes Feedback SBI-Feedback
„Du bist immer so ungeduldig." „Im Meeting heute hast du dreimal eingegriffen, bevor X ausgesprochen hatte. Das wirkt schnell wie Desinteresse."
„Tolle Arbeit." „In deinem Bericht heute haben die zusammengefassten Risiken auf Seite 2 mir genau geholfen, die Geschäftsleitung zu überzeugen."

Feedback geben — die WWW-Methode

Für strukturierte Mitarbeiter- oder Lernfeedback-Gespräche:

Wahrnehmung  →  „Mir ist aufgefallen, dass …"
Wirkung      →  „Auf mich / das Team hat das so gewirkt …"
Wunsch       →  „Ich wünsche mir für die Zukunft …"

Der Wunsch am Ende ist der oft fehlende Schritt: Kritik ohne konkreten Wunsch hinterlässt nur ein schlechtes Gefühl.

Beobachtung vs. Bewertung

Marshall Rosenberg (Gewaltfreie Kommunikation) sagt: Die Fähigkeit, ohne zu bewerten zu beobachten, ist die höchste Form menschlicher Intelligenz.

Bewertung Beobachtung
„Du kommst ständig zu spät." „Du bist in dieser Woche dreimal nach 9:15 gekommen."
„Du redest zu viel." „Im Meeting hast du etwa 80 % der Sprechzeit beansprucht."
„Du bist unprofessionell." „In der E-Mail an den Kunden waren drei Rechtschreibfehler."

Bewertungen lösen Verteidigung aus. Beobachtungen laden zum Gespräch ein.

Feedback empfangen

Feedback annehmen ist härter als Feedback geben. Drei Regeln:

1. Atemzug-Regel

Bevor du reagierst: einmal tief durchatmen. Das senkt den ersten Verteidigungsreflex.

2. Verstehen vor Verteidigen

Stelle Rückfragen, bevor du Stellung beziehst:

  • „Kannst du mir ein konkretes Beispiel nennen?"
  • „Was hättest du dir stattdessen gewünscht?"
  • „Habe ich richtig verstanden, dass …?"

3. Trennen: Geschenk vs. Annahme

Du musst nicht jedes Feedback annehmen — aber du kannst es würdigen.

„Danke für die Rückmeldung. Ich nehme das mit und überlege, wie ich damit umgehe."

Das ist eine vollständige, respektvolle Antwort. Kein Verteidigen, kein Klein-Beigeben.

Anti-Muster

Diese Sätze beim Feedback-Geben fast immer vermeiden:

  • ❌ „Du bist …" (Persönlichkeit, nicht Verhalten)
  • ❌ „Immer / nie …" (übertreibt, lädt zum Widerspruch ein)
  • ❌ „Alle finden, dass …" (anonyme Anklage)
  • ❌ „Ich will dir nur helfen, aber …" (entschuldigt das Folgende)

Und beim Feedback-Annehmen:

  • ❌ „Ja, aber …"
  • ❌ „Das war anders, weil …"
  • ❌ „Du verstehst das nicht."

Praxis-Übung

Such dir in dieser Woche eine konkrete Situation, in der du sonst nichts gesagt hättest:

  1. Schreib dir SBI auf Papier vor:
    • Situation: _____________________
    • Verhalten: _____________________
    • Wirkung: _____________________
  2. Bring es ruhig an — am besten unter vier Augen.
  3. Beobachte: Wie reagiert dein Gegenüber? Wie fühlst du dich danach?

Mit Übung wird aus „ich sag lieber nichts" → „ich sag's klar und freundlich".

Weiterführendes

  • Marshall Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation (2001)
  • Kim Scott: Radical Candor (2017)
  • Douglas Stone & Sheila Heen: Thanks for the Feedback (2014)

Gutes Feedback ist ein Geschenk — auf beide Seiten. 🎁